Wie genau lassen sich in der Hüftendoprothetik postoperative Veränderungen von Beinlänge, globalem und femoralem Offset auf Röntgenbildern wirklich bestimmen?

Wie genau lassen sich in der Hüftendoprothetik postoperative Veränderungen von Beinlänge, globalem und femoralem Offset auf Röntgenbildern wirklich bestimmen?

Weber M, Wörner M, Springorum HR, Winkler S, Sendtner E, Hapfelmeier A, Grifka J, Renkawitz T

 

Fragestellung: Im klinischen Alltag erfolgt die Ausmessung der biomechanischen Zielgrößen Beinlänge (BL), globales (GO) und femorales Offset (FO) üblicherweise auf größenskalierten, anteroposterioren (AP) Hüftübersichtsaufnahmen. Variabilitäten in der radiologischen Aufnahmetechnik, Beckenkippung und Hüftgelenkskontrakturen lassen lineare Messungen auf Röntgenbildern aber potentiell fehleranfällig erscheinen. Ziel der vorliegenden Arbeit war deshalb, die nativradiologische Reliabilität und Validität von BL-, GO- und FO-Messungen nach Implantation einer Hüfttotalendoprothese (HTEP) auf AP Hüftübersichtsaufnahmen mit dreidimensional computertomografischen (3D-CT) Rekonstruktionen unter Zuhilfenahme markierter anatomischer Landmarken (fiducial landmarks) zu vergleichen. Ergänzend wurde eine mögliche Korrelation zwischen der Messgenauigkeit und der klinischen Erfahrung von insgesamt vier Untersuchern evaluiert.

Methodik: In einer experimentell-anatomischen Studie wurden an 10 humanen Leichenpräparaten über perkutane Stichinzisionen knöcherne Referenzmarken im Bereich des Beckens und des Oberschenkels angebracht und 18 zementfreie HTEPs (Pinnacle, Corail; DePuy, Warsaw, IN, USA) in Rückenlage über einen lateralen Zugang implantiert. Prä-und postoperativ wurde eine native Becken-Oberschenkel CT und eine AP Hüftgelenksübersichtaufnahme durchgeführt. Veränderungen von BL, GO und FO wurden auf den nativradiologischen Aufnahmen von insgesamt vier Untersuchern (je zwei Assistenz- und zwei Oberärzten) zweimalig in einem Abstand von 8 Wochen mit Hilfe einer digitalen Planungssoftware nach klinischem Standard (mediCAD; Hectec GmbH, Landshut) vermessen. Die Referenzmessungen im prä-/postoperativen Vergleich erfolgten auf 3D-CT Rekonstruktionen mit Hilfe der eingebrachten fiducial landmarks durch einen verblindeten Untersucher (iPlan Stereotaxy 2.6, BrainLAB, München).

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die mittlere Differenz zwischen der 3D-CT Messung und der nativradiologischen Auswertung betrug 1,0 ± 2,0 mm für Veränderungen der BL nach HTEP, 0,6 ± 3,6 mm für das GO und 1,4 ± 5,2 mm für das FO. Ein Prozent (1/68) der BL-, 15% (10/68) der GO- und 35% (24/68) der FO- Messungen befanden sich dabei in Relation zum CT Referenzstandard außerhalb eines Toleranzlimits von 5 mm. Die radiologischen Messungen zeigten eine hohe Interobserver- (r=0,83 für BL, r=0,89 für GO und r=0,79 für FO) und Intraobserver-Reliabilität (r=0,94 für BL, r=0,90 für GO und r=0,88 für FO). Der Ausbildungsstand der Untersucher hatte keinen Einfluss auf die nativradiologische Messgenauigkeit (BL p=0,359, GO p=0,461, FO p=0,117).

Die nativradiologische Berechnung von BL und GO Veränderungen anhand AP Hüftübersichtsaufnahmen nach HTEP gelingt mit hoher Genauigkeit, wohingegen FO Messungen potentiell fehleranfällig erscheinen. Zur nativradiologischen Beurteilung und Vermessung von Offset Veränderungen nach HTEP sollte das GO dem FO vorgezogen werden.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI50-161

doi: 10.3205/14dkou345urn:nbn:de:0183-14dkou3458

Published: October 13, 2014
© 2014 Weber et al.
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Bietet die präoperative radiologische Planung in zwei Ebenen Vorteile hinsichtlich der Genauigkeit für die Implantation einer metaphysär verankernden Kurzschaft-Hüfttotalendoprothese?

Bietet die präoperative radiologische Planung in zwei Ebenen Vorteile hinsichtlich der Genauigkeit für die Implantation einer metaphysär verankernden Kurzschaft-Hüfttotalendoprothese?

Buschatzky J, Budde S, Lerch M, von Lewinski G, Windhagen H, Flörkemeier T

 

Fragestellung: Die richtige Femurschaftgröße zu implantieren ist besonders für metaphysär verankernde Hüft-TEPs für eine gute Stabilität von großer Wichtigkeit. Zu große Prothesen birgen das Risiko der Fraktur, zu kleine Prothesen das Risiko einer ausbleibenden sekundären ossären Integration. Die nicht-invasive präoperative Bestimmung der korrekten Größe & Rekonstuktion des Hüftzentrums der Hüft-TEP am Röntgenbild helfen bei der Implantation. Besonders gilt dies für metaphysär verankernde Prothesen wie METHA®-Kurzschaftprothesen. Diese passen sich der Antetorsion des Schenkelhalses an. Daher stellt sich die Frage, ob die Planung in der 2. Ebene, der Axialen, sinnvoll ist. Die Datenlage der Analysen zur Genauigkeit der Planung metaphysär verankernder Kurzschaftprothesen ist rar. Daten zur Analyse mit Hinzunahme der 2. Ebene existieren nicht.

Da sich metaphysär verankernde Kurzschaftprothesen der Anatomie des Schenkelhases anpassen und nicht parallel zur Diaphyse verlaufen, ergab sich folgende Fragestellung:

  • Wie hoch ist dieTreffsicherheit der präopertiven Planung metaphysär verankernden Kurzschaft- im Vergleich zu Gradschaftprothesen?
  • Wie notwendig ist die 2.Ebene bei der Planung? Erhöht die Hinzunahme der 2. Ebene die Genauigkeit des verwendeten Implantes?

Methodik: Es erfolgte die Analyse von 150 Patienten, bei denen prä- und postopertive Röntgenbilder vermessen und geplant wurden. Von 150 Patienten erhielten 100 eine Kurzschaftprothese, bei 50 erfolgte die Implantation einer Gradschaftprothese. Einerseits erfolgte lediglich die Planung der Prothese anhand der Beckenübersicht, im weiteren erfolgte eine Planung bei Hinzunahme der axialen Lauensteinaufnahme. Als Parameter wurden Offset, Beinlängendifferenz, CCD-Winkel, Distanz des Rotationszentrum zu folgenden Landmarken: Köhlerschen Tränenfigur, Trochanter major sowie Trochanter minor, desweiteren als Parameter: Pfannengröße, Konus, Vorhandensein einer Prothese der Gegenseite und Verwendung einer Navigation intraoperativ. Wir verglichen die präoperativen radiologischen Befunde mit den postoperativen sowie die die Gruppe der Kurzschaft- und die der Gradschaftprothesen.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Die Treffsicherheit +/- einer Größe hinsichtlich der geplanten und implantierten Prothesengröße ergab bei der Planung in einer Ebene für Kurzschaftprothesen 83,2%. Im Vergleich für Gradschaftprothesen eine Genauigkeit von 80%. Durch die hinzugezogene 2.Ebene verbesserte sich die Treffsicherheit für Kurzschaftprothesen auf 93,4%.

Eine gute Rekonstruktion des Hüftzentrums inklusive der Beinlänge für die Gradschaft- und Kurzschaftprothese zeigten Analysen der weiteren Parameter.

Die Beachtung der 2. Ebene ist klinisch und radiologisch für die Planung metaphysär verankernden Kurzschaftprothesen notwendig. Mögliche Kontraindikation für die Implantation einer Kurzschaftprothese ist eine sehr starke Antetorsion des Schenkelhalses, da die gewünschte Position nicht erreicht werden kann. Daher sollte das präoperative axiale Röntgenbild exakt analysiert werden. Planung anhand der axialen Aufnahme verbessert die Genauigkeit der verwendeten Implantate.

 

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU 2014). Berlin, 28.-31.10.2014. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2014. DocWI49-1021

doi: 10.3205/14dkou338urn:nbn:de:0183-14dkou3381

Published: October 13, 2014
© 2014 Buschatzky et al.
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